Alfred Hahn
Nachruf von Dr. Helmut Raiser
Alfred Hahn, ein Freund, mußte uns verlassen. In der Suche nach Trost tobt ein Kaleidoskop an Bildern durch den Kopf. Farbige Erinnerungen an unvergängliche Erlebnisse und Unwiederbringliches in der Schäferhundezucht blühen auf und signalisieren Unauslöschliches und Dankbarkeit.
Alfred selbst verkörperte in seinem Leben das, was er bei seinen Hunden kreierte: Persönlichkeit, nimmer müden Eifer, Zähigkeit und robuste Vitalität bis ins hohe Alter.
Einfachheit ist das Resultat von Reife, hat Schiller einmal gesagt, und Alfred hat sie wie kein anderer in der Schäferhundezucht erreicht.
"Ein Hund bei dem man bitte bitte machen muß, taugt nicht für die Gebrauchshundezucht", waren seine Worte, mit denen er sich in der Kynologie verewigt hat.
In der Zeit, als noch Körper und Geist des Schäferhundes eine Einheit darstellten, war Alfred auf dem Höhepunkt seiner Karriere und der Größte von Allen. Den Idealen der Gebrauchshundezucht treu zu bleiben, verlangte von ihm, Ruhm aufzugeben. Seine Charakterliche Stärke an diesem schweren Entscheidungspunkt macht ihn für viele auch menschlich zum Vorbild.
Mit einer Vielzahl von starken Genotypen in seiner Zucht hat Alfred Hahn Blutlinien geschaffen, die bis heute gewährleisten, daß der Schäferhund noch als guter Gebrauchshund taugt.
Mit Mara, Drechsler und Sagus aus seiner Zucht durfte ich direkt seine Ernte mit heimfahren und gewann auch noch einen Freund.
Lieber Alfred, von Dir muß ich tieftraurig Abschied nehmen, gerne hätte ich mit Dir über Gebrauchshundezucht gefachsimpelt oder auch nur heimlich eine Zigarre geraucht.
In 100 Jahren Schäferhundezucht waren es zwei, die herausragten, wenn Schäferhundezucht ernsthaft als Gebrauchshundezucht verstanden wird:
Max von Stephanitz und Alfred Hahn.
Ruhe sanft! Dr. Helmut Raiser